Donnerstag, 30. Oktober 2008
Tag eins und seine Geschichte
Heute bin ich in guter Verfassung - ich bin nämlich auch Verdiener und wer verdient ist glücklich. Ich habe einen Job, der mich zwwar nicht erfüllt, der aber ein bisschen Asche (Kohle, Penunsen, Kröten, wie auch immer) in meine magere Haushaltskasse schwemmt. Meine Aufgabe ist es Kafee zu kochen. Das ganze geschieht an der Uni. Also, wenn irgendjemand in diesem elitären Verein einen Vortrag hält braucht er jemanden, der ihm bzw. ihr unter den Arm greift. Meine Aufgabe besteht ausserdem aus Tafelputzen, Beamer Aufstellen und mit Schokokeksen ein paar Servierteller Dekorieren. Vorteil an der Sache ist, dass ich immer umsonst Kaffe und Kekse bekomme. Neulich war einer der Professoren die ich zu betreuen habe bei mir - inkognito wohlgemerkt, ich kannte ihn bis dato nichtmal - und meinte: "Leute wie Du - ihr seit der Bremsklotz am Siegeswaagen der Wissenschaft". Was denkt der sich eigentlich? Wer bin ich denn - der Feuerteufel von Alexandria, oder was? Ich habe doch nichts verbrochen. Ich mache mir ja oft Gedanken darüber wer denn jetzt eigentlich die grössten Pfeiffen überhaupt sind - nur um mich selber in Schutz zu nehmen natürlich. Bei meinen Überlegungen sind mir schon so ein paar üble Gestalten denen ich noch mehr Zewckfreiheit zutrauen würde als mir selbst über den Weg gestolpert . Zum Beispiel gäbe es da Gavrilo Princip - dieser kleine dumme Serbe, der nichts besseres zu tun hatte als 1914 Franz Ferdinand aus nächster Nähe abzuknallen. Damit hat er dann gleich einen Weltkrieg ausgelöst. Manchmal jedenfalls fühl ich mich ähnlich contraproduktiv, wie Gavrilo. Noch einer der vielleicht nicht ganz zu Unrecht als eine der grössten Kröten der Weltgeschichte gelten kann ist - man verzeihe mir mein Dünkel - Genosse Gorbatschov. Der Mann hat es geschafft ein Weltreich zu stürzen. Komisch, oder? Heute wird er von allen für seine einzigartigen Machenschaften betätschelt. Die Hoffnung hege ich ja auch noch, vielleicht wird ja eines tages aus meiner ach so sinnlosen Existenz als Bremsklotz der Wissenschaft ja auch mal ein gefeierter Loser.

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Tag eins
Also aufgepasst - ich bin nicht sonderlich hübsch und auch nicht gross. Ich habe keine guten Noten und besitze kein Auto, ich fahre selten in den Urlaub und sitze meistens vor dem PC, meine Freundin ist mittelklasse und mein Hund pinkelt lieber auf meinen Laminatfussboden, als dass er auf die meine Sozialbauwohnung aufpasst. Ich bin also jemand den du ganz gut kennst; ich bin aber nicht der, der auf deinem kunstledernen Ikeasessel sitzt und sich das gerade durchliest - ich bin immer noch ich. Meine Geschichte erzähle ich Dir hier.

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